German C1

C1 · Unit 1

Sprache & Kommunikation

Funktionsverbgefüge · Nominalstil

🎯 Sich über Sprache, Ausdruck und Kommunikation präzise, differenziert und registerbewusst äußern; feine Bedeutungsunterschiede erkennen und benennen.

Wortschatz

Wortschatz: Ausdruck & Verständigung

14 min

Auf C1-Niveau geht es weniger um einzelne Wörter als um präzise Formulierungen und feine Bedeutungsnuancen. Achten Sie darauf, wie sich Äußerung, Andeutung und Anspielung unterscheiden — und wie der Tonfall die Aussage verändert.

  • der Ausdruckexpression / termFür diesen Sachverhalt gibt es keinen treffenden Ausdruck.
  • die Äußerungutterance / statementSeine Äußerung ließ sich auf zweierlei Weise deuten.
  • die NuancenuanceZwischen den beiden Begriffen liegt eine feine Nuance.
  • die RedewendungidiomDiese Redewendung lässt sich kaum wörtlich übersetzen.
  • der Tonfalltone (of voice)An ihrem Tonfall erkannte ich sofort die Ironie.
  • die AnspielungallusionDie Anspielung auf den Skandal blieb unausgesprochen.
  • das MissverständnismisunderstandingUm Missverständnisse zu vermeiden, formuliere ich es genauer.
  • die Verständigungcommunication / mutual understandingOhne gemeinsame Sprache ist die Verständigung erschwert.
  • die Formulierungphrasing / wordingEine vorsichtigere Formulierung wäre angebracht gewesen.
  • die Auffassungview / opinionIch teile Ihre Auffassung nur zum Teil.
  • andeutento hint / implySie deutete an, dass sie die Stelle wechseln wolle.
  • umschreibento paraphraseWenn dir das Wort fehlt, umschreibe es einfach.
  • betonento emphasiseEr betonte ausdrücklich die Vorläufigkeit der Zahlen.
  • vermittelnto convey / mediateDer Text vermittelt einen Eindruck von der Stimmung der Zeit.
Übung0/3
  1. 1. Ordnen Sie jedem Wort die passende Definition zu.

    • die Anspielung
    • die Nuance
    • die Redewendung
    • der Tonfall
  2. 2. Verbinden Sie jedes Verb mit einem sinnverwandten Ausdruck.

    • andeuten
    • umschreiben
    • betonen
    • vermitteln
  3. 3. Welcher Satz drückt am deutlichsten eine bloße Andeutung aus?

Wortschatz

Wortschatz: Funktionsverbgefüge

15 min

Funktionsverbgefüge (FVG) sind feste Verbindungen aus einem Nomen und einem „blassen“ Verb: *Kritik üben*, *in Frage stellen*, *Stellung nehmen*. Sie klingen gehoben und schriftsprachlich — typisch für den Nominalstil wissenschaftlicher und offizieller Texte.

  • in Frage stellento call into questionDie neue Studie stellt frühere Annahmen grundsätzlich in Frage.
  • zur Sprache bringento bring up (a topic)Diesen Punkt sollten wir in der Sitzung zur Sprache bringen.
  • in Betracht ziehento take into considerationAuch diese Möglichkeit muss man ernsthaft in Betracht ziehen.
  • Kritik übento voice criticismAn dem Vorgehen wurde von mehreren Seiten Kritik geübt.
  • Stellung nehmento take a stanceDie Sprecherin wollte dazu nicht Stellung nehmen.
  • zum Ausdruck bringento expressDamit brachte er sein Unbehagen deutlich zum Ausdruck.
  • Bezug nehmento refer toIch nehme Bezug auf Ihr Schreiben vom letzten Monat.
  • in Anspruch nehmento make use of / claimEr nahm die Beratung mehrere Stunden in Anspruch.
  • Rücksicht nehmento show considerationAuf die Bedürfnisse der Anwohner wird kaum Rücksicht genommen.
  • Wert legen aufto attach importance toSie legt großen Wert auf eine präzise Wortwahl.
  • die Wortwahlchoice of wordsSeine Wortwahl war für den Anlass zu salopp.
  • der Sprachgebrauchlanguage usageIm wissenschaftlichen Sprachgebrauch meidet man Übertreibungen.
  • die Umgangssprachecolloquial languageIn der Umgangssprache wird das Wort ganz anders verwendet.
  • die Fachsprachetechnical / specialist languageDie Fachsprache erschwert Laien den Zugang zum Text.
Übung0/3
  1. 1. Ordnen Sie jedem Funktionsverbgefüge das einfache Vollverb zu.

    • Kritik üben
    • in Frage stellen
    • Stellung nehmen
    • zum Ausdruck bringen
  2. 2. Formen Sie den Satz in ein Funktionsverbgefüge um (Nominalstil).

    Die Fachleute bezweifeln die Ergebnisse.

  3. 3. Gehobener (schriftsprachlicher) oder neutraler Stil?

    • sich beziehen auf
    • meckern über
    • Kritik üben an
    • Bezug nehmen auf
Wortschatz

Wortschatz: Redewendungen & Register

15 min

Redewendungen verdichten eine Aussage bildhaft. Ihr Register ist entscheidend: *Tacheles reden* ist umgangssprachlich-direkt, *sich kurzfassen* neutral. Wer sie treffsicher einsetzt, wirkt idiomatisch — wer sie fehl am Platz verwendet, unfreiwillig komisch.

  • um den heißen Brei redento beat around the bushRed nicht um den heißen Brei, sag mir die Wahrheit.
  • den Nagel auf den Kopf treffento hit the nail on the headMit dieser Bemerkung hast du den Nagel auf den Kopf getroffen.
  • das Wort ergreifento take the floorNach langem Schweigen ergriff sie schließlich das Wort.
  • jemandem ins Wort fallento interrupt someoneBitte fall mir nicht ständig ins Wort.
  • zwischen den Zeilen lesento read between the linesMan muss zwischen den Zeilen lesen, um die Kritik zu erkennen.
  • auf den Punkt bringento get to the point / sum upSie hat das Problem in einem Satz auf den Punkt gebracht.
  • sich kurzfassento be briefIch fasse mich kurz: Wir sind dagegen.
  • der Belegevidence / citationFür diese Behauptung fehlt jeder Beleg.
  • sinngemäßin essence / paraphrasedSie sagte sinngemäß, dass ihr die Zeit fehle.
  • prägnantconcise / pithyDie Überschrift ist kurz und prägnant.
  • gestelztstiltedSein Vortrag wirkte gestelzt und unnatürlich.
  • saloppcasual / offhandFür ein Bewerbungsschreiben ist der Ton zu salopp.
  • nachvollziehbarcomprehensible / understandableIhre Argumentation ist klar und nachvollziehbar.
  • missverständlichambiguous / open to misunderstandingDie Anweisung war missverständlich formuliert.
Übung0/3
  1. 1. Ordnen Sie jeder Redewendung ihre Bedeutung zu.

    • um den heißen Brei reden
    • auf den Punkt bringen
    • zwischen den Zeilen lesen
    • jemandem ins Wort fallen
  2. 2. Ordnen Sie die Adjektive dem passenden Register zu.

    • prägnant
    • nachvollziehbar
    • gestelzt
    • missverständlich
  3. 3. „Sie sagte sinngemäß, …“ — was bedeutet das?

Grammatik

Grammatik: Nominalstil & Funktionsverbgefüge

18 min

Der Nominalstil verlagert die Information vom Verb ins Nomen: - Verbalstil: *Weil die Preise stiegen, sank die Nachfrage.* - Nominalstil: *Wegen des Anstiegs der Preise sank die Nachfrage.* Häufige Umformungen: weil → wegen/aufgrund + Genitiv, nachdem → nach + Dativ, damit → zwecks/zum + Nomen. Funktionsverbgefüge sind die verbale Klammer dieses Stils: *eine Entscheidung treffen*, *zur Anwendung kommen*. Wichtig: Nominalstil wirkt präzise und distanziert, kann aber schwerfällig werden — dosieren Sie ihn.

  • der Anstiegrise / increaseDer Anstieg der Mieten belastet viele Haushalte.
  • aufgrunddue to / on the basis ofAufgrund technischer Störungen fällt der Zug aus.
  • hinsichtlichwith regard toHinsichtlich der Kosten gibt es noch offene Fragen.
Übung0/5
  1. 1. Formen Sie den Nebensatz in den Nominalstil um (wegen/aufgrund + Genitiv).

    Weil die Nachfrage stieg, erhöhte das Unternehmen die Produktion.

  2. 2. Lösen Sie den Nominalstil in einen Nebensatz auf (Verbalstil).

    Nach der Prüfung der Unterlagen entschied der Ausschuss.

  3. 3. Nominalstil oder Verbalstil?

    • weil es sich verzögerte
    • zur Verbesserung der Lage
    • aufgrund der Verzögerung
    • damit sich die Lage bessert
  4. 4. ___ des schlechten Wetters wurde das Fest verschoben. (kausale Präposition + Genitiv)

  5. 5. Der Antrag kam gestern zur ___. (zur Anwendung kommen — Nomen)

Kommunikation

Kommunikation: In der Diskussion

16 min

In einer moderierten Diskussion muss man das Wort ergreifen, höflich Bezug nehmen und Stellung nehmen, ohne anderen unnötig ins Wort zu fallen. Lesen Sie den Dialog und bringen Sie ihn anschließend in die richtige Reihenfolge.

Moderatorin: Herr Frei, wie stehen Sie zu der These, dass Fachsprache Laien ausschließt?

Frei: Ich möchte das differenzieren: Fachsprache schafft Präzision, kann aber tatsächlich ausgrenzen.

Weber: Wenn ich kurz Bezug nehmen darf — genau hier liegt das Problem.

Frei: Lassen Sie mich das bitte zu Ende führen.

Weber: Selbstverständlich, entschuldigen Sie.

Frei: Entscheidend ist, dass man dieselben Inhalte auch allgemeinverständlich zum Ausdruck bringen kann.

Diskussion: Fachsprache

Tap to listen.

🎙 Nehmen Sie zu der These Stellung: „Fachsprache schließt Laien aus.“ Ergreifen Sie das Wort, nehmen Sie Bezug auf ein Gegenargument und bringen Sie Ihre Auffassung differenziert zum Ausdruck.

  • Ich möchte zunächst Bezug nehmen auf …
  • Man muss hier differenzieren: einerseits …, andererseits …
  • Entscheidend scheint mir …
  • Zusammenfassend würde ich sagen, dass …
Übung0/2
  1. 1. Bringen Sie die Redebeiträge in eine sinnvolle Reihenfolge.

    Tap the tiles below…
  2. 2. Ordnen Sie jeder Redeabsicht die passende Wendung zu.

    • das Wort ergreifen
    • widersprechen
    • differenzieren
    • eine Aussage abschließen
Hören

Hören: Tonfall & Ironie

15 min

Auf C1-Niveau trägt nicht nur der Wortlaut die Bedeutung, sondern der Sprechausdruck: Satzmelodie, Betonung und Pausen. Ein und derselbe Satz kann ernst, ironisch oder resigniert klingen. Achten Sie beim Hören auf das Wie, nicht nur auf das Was.

Aussage 1

Tap to listen.

Übung0/4
  1. 1. Ein sinkender, betonter Tonfall auf „brillante Idee“ signalisiert am ehesten …

  2. 2. Welche Sprechabsicht hören Sie?

    Hören

    Tap to listen.

  3. 3. Welche Satzmelodie erwarten Sie am Ende einer echten Entscheidungsfrage (Ja/Nein-Frage)?

  4. 4. Betonung und Pausen können die wörtliche Aussage eines Satzes ins Gegenteil verkehren.

Lesen

Lesen: Sprache im Wandel

16 min

Lesen Sie den folgenden Kommentar: „Kaum ein gesellschaftliches Phänomen erhitzt die Gemüter so verlässlich wie der Sprachwandel. Während die einen jede Entlehnung aus dem Englischen als Verfall beklagen, verweisen die anderen darauf, dass sich Sprachen zu allen Zeiten gewandelt haben. Beide Lager übersehen dabei gern, dass Sprache kein Museumsstück ist, sondern ein Werkzeug, das seine Nutzer den eigenen Bedürfnissen anpassen. Nicht der Wandel selbst ist das Problem, sondern die Frage, ob Verständigung gelingt.“

Übung0/3
  1. 1. Der Autor bewertet den Sprachwandel eindeutig als Verfall.

  2. 2. Worin sieht der Autor das eigentliche Kriterium?

  3. 3. Fassen Sie die Kernaussage des Kommentars in ein bis zwei Sätzen mit eigenen Worten zusammen (Paraphrase, kein Zitat).

    • Der Autor vertritt die Auffassung, dass …
    • Entscheidend sei für ihn nicht …, sondern …
    0 Wörter / 20Ich habe eigene Formulierungen verwendet (nicht abgeschrieben). · Ich habe die Kernaussage getroffen, nicht Nebendetails. · Ich habe indirekte Wiedergabe verwendet (z. B. „Der Autor meint, dass …“).
Übung

Üben: Präzise formulieren

14 min

Gemischte Übung — kein neuer Wortschatz. Wählen, umformen, präzisieren.

Übung0/4
  1. 1. umgangssprachlich → formell

    Wir müssen echt mal über das Problem reden.

  2. 2. Ersetzen Sie das Vollverb durch ein passendes Funktionsverbgefüge.

    Die Kommission entschied gestern über den Antrag.

  3. 3. Ordnen Sie der vagen Aussage die präzisere Variante zu.

    • Es gibt da so ein Problem.
    • Das ist irgendwie komisch.
    • Er hat viel geredet.
    • Ich finde das nicht gut.
  4. 4. Welche Formulierung passt in einen wissenschaftlichen Text?

Übung

Üben: Redemittel & Diskurs

14 min

Weitere gemischte Übung — Redemittel, Diskursstruktur und Idiomatik.

Übung0/4
  1. 1. Bringen Sie die Abschnitte zu einem kohärenten Kurztext in Reihenfolge.

    Tap the tiles below…
  2. 2. Bilden Sie einen gehobenen Satz aus den Bausteinen.

    Tap the tiles below…
  3. 3. Ordnen Sie die Redewendungen nach ihrer Funktion.

    • auf den Punkt bringen
    • um den heißen Brei reden
    • sich herausreden
    • Tacheles reden
  4. 4. formell → umgangssprachlich

    Ich möchte an dieser Vorgehensweise Kritik üben.

Übung

Üben: Nominalstil & FVG

14 min

Grammatikfokus — Nominalstil ⇄ Verbalstil und Funktionsverbgefüge.

Übung0/5
  1. 1. Nominalstil → Verbalstil (Nebensatz).

    Bei Nichtbeachtung der Vorschriften drohen Strafen.

  2. 2. Verbalstil → Nominalstil.

    Nachdem man die Ergebnisse veröffentlicht hatte, kam es zu Protesten.

  3. 3. Der Vorschlag kam in der Sitzung zur ___. (zur Sprache kommen)

  4. 4. ___ der aktuellen Lage verzichten wir auf eine Prognose. (kausale Präposition + Genitiv)

  5. 5. Steht das Funktionsverbgefüge mit „nehmen“, „üben“ oder „bringen“?

    • Kritik …
    • in Anspruch …
    • zur Sprache …
    • Stellung …
    • zum Ausdruck …
Übung

Test & Wiederholung

20 min

Abschlusstest der Einheit 1 — kein neuer Stoff. Wenn Ihnen das meiste leichtfällt, sind Sie bereit für Einheit 2.

Übung0/5
  1. 1. Welcher Satz ist am präzisesten und registergerecht (formell)?

  2. 2. Formen Sie in den Nominalstil um (aufgrund + Genitiv).

    Weil die Kosten stark stiegen, wurde das Projekt gestoppt.

  3. 3. umgangssprachlich → wissenschaftlich

    Die Ergebnisse sind echt fragwürdig.

  4. 4. Ordnen Sie die Wendungen dem passenden Register zu.

    • das Wort ergreifen
    • um den heißen Brei reden
    • Bezug nehmen auf
    • Tacheles reden
  5. 5. Schreiben Sie einen kurzen Kommentar (Standpunkt) zur Frage: „Sollte man Anglizismen im Deutschen vermeiden?“ Formulieren Sie registerbewusst und verwenden Sie mindestens zwei Funktionsverbgefüge.

    • Zu der Frage, ob …, möchte ich wie folgt Stellung nehmen.
    • Einerseits … Andererseits …
    • In Betracht ziehen sollte man außerdem …
    • Zusammenfassend bin ich der Auffassung, dass …
    0 Wörter / 60Ich habe einen klaren Standpunkt formuliert. · Ich habe mindestens zwei Funktionsverbgefüge verwendet. · Ich habe Gegenargumente berücksichtigt (differenziert). · Mein Register ist durchgehend formell.
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